Powell nach Stites

von Gerd_S

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Sonntag
11. Juni 2023


Tageskilometer

 GPS Daten:  148,32 km

 Rad-Comp.:  149,56 km


Die Nacht war super! So gegen 22:00 Uhr eingeschlafen, um fünf mal kurz zum Restroom und eine rauchen, dann nochmal bis halb acht weiter gedöst. Was mich um fünf geweckt hat werden die Vögel gewesen sein, die machen einen riesigen Radau. Während der üblichen Morgenroutine, Kaffee kochen, Packen usw, kam eine Radlerin vorbei. Juhu, die erste Europäerin. Eine Engländerin, die - ich hatte es schon erwähnt, die Welt ist klein - als Austauschülerin in Bad Godesberg aufs Gymnasium ging. :) Wir haben eine Weile nett geplaudert, über Radreisen, Brooks-Sättel, und ich hab ihr die "North.Sea-Cycling-Route" empfohlen. Sie meinte, dass es wohl etwas langweilig wäre durch England zu fahren. Nach meinem Protest konkretisierte sie es in, wenn man selbst dort lebt. Stimmt, da hat sie wohl recht. Natürlich hab ich wieder den Namen vergessen, aber ein cooles Mädel. Sie fährt auch bis zur West-Küste die selbe Strecke wie ich, einholen werde ich sie aber kaum. Sie ist eher der frühe Vogel, ich glaube es war so um acht als sie bei mir vorbeikam und vom Eindruck her ist sie sicher auch zügig unterwegs. Als ich loszog hab ich noch ein paar Besorgungen im Resort-Stor gemacht und kam dabei auch an Mike vorbei der dahinter auf dem Rasen sein Zelt aufgeschlagen hatte. Er war in etwa halb fertig mit packen und wir haben noch etwas gequatscht und zusammen eine geraucht. Als kleines Andenken hab ich ihm noch einen Pocketaschenbecher geschenkt, da er - wie ich - niemals die Kippen in die Landschaft schnippen würde und alte Kippenpackungen als Ascher benutzte. Das hab ich damals auch so gemacht, ist aber ne riesige sauerrei, da die Schachteln ja nie richtig dicht sind. Eine Hostel-Betreiberin in Dänemark hatte mir dann so ein Ding geschenkt und ich hab nun immer ein paar davon dabei.
Von meiner Motivation her wäre ich am liebsten bei Mike sitzen geblieben aber die Kilometer fahren sich ja nicht von alleine. Landschaftlich und vom Verkehr her war alles top aber irgendwie sprang der Funke noch nicht über. Einige Radler kamen mir entgegen, mit manchen wurde kurz geschwätzt, anderen wurden nur winkend gegrüßt, da der Verkehr gerade nicht mehr zuließ.
Hinter mir und neben mir begann es mal wieder zu grollen, und der Gegenwind wurde stärker. Das hatte mir gerade noch zum Glück gefehlt...
Und tatsächlich, nach dem ersten Regenguss und der darauffolgenden Trockenphase wurde es fast schon episch. Meine Hose war schon fast wieder Trocken, es gewitterte aber nach wie vor heftig und der Wiederhall des Donners ging durch den Canyon. Ich stand rauchend am Fluss und dachte ich müsse gleich vor Glück heulen. Für solche Momente mache ich sowas.
Wenig später hat es wieder heftig geregnet und das auch viele Kilometer lang. Fast schon an meinem eigendlichen Ziel hab ich noch einen Italiener getroffen. Er hatte schon zwei kaputte Speichen und keine Spare-Parts mit. Ich konnte ihm leider nicht aushelfen da Speichen und Nippel zu dick für seine Felgen sind. Er meinte er geht morgen früh in Lolo in nen Radladen. Lolo, morgen früh?? Da bin ich vor drei Tagen durchgekommen... Er will über Nacht durchfahren. Das traue ich ihm zu, er seh verdammt fit aus und es ist auch nicht seine erste Tour. Er erinnerte mich enorm an den Italiener mit dem ich in Neuseeland einige Tage gefahren bin und Sylvester verbracht hab. Hochgradig chaotisch aber 100% liebenswert!
In Kooskia angekommen wurde nix aus meinem Plan. Das Motel in meiner Papierkarte gibt es nicht mehr, LTE Empfang gleich null. Ok, also im Dorf-Park zelten. Dort findet aber gerade ein Kindergeburtstag statt und ich ziehe weiter, im nächsten Dorf gibt es einen kleinen Park hinter dem Lebensmittelladen. Die zugehörige Telefonnummer bedient nur eine Mailbox. Am Laden angekommen ist dieser "for Sale", es gibt ihn also nichtmehr, den kleinen Park dahinter aber schon. Sieht auch ganz nett aus, nur der Wasseranschluss ist tot und das Plumsklo hat kein Papier. Dusche, null.
Gegenüber des ehemaligen Ladens ist ne Bar, die noch etwa fünf Minuten was essbares liefern kann, also bestelle ich erstmal ne Pizza. Später fülle ich dort meinen Wassersack um zumindest eine Katzenwäsche hinzubekommen. Da die auf ihrer Toilette auch warmes Wasser haben kann ich sogar sowas wie ne Dusche bewerkstelligen. An einem etwas geschützten Platz stehe ich also in Unterhose unter meinem am Baum aufgehangenen Wassersack und genieße das warme Wasser. Wie gesagt, das ist ein öffentlicher Park :) Auf solchen Touren stumpft man etwas ab ;)
Da ich hier leidlichen Daten-Empfang habe werde ich den Tag erstellen können, Bilder werden wieder nachgereicht sobald ich etwas mehr Speed habe. Obwohl es schon dunkel ist muss ich hier gleich noch etwas aufräumen, es sieht hier aus als seien 25 Obdachlose im Park eingezogen :)
Grüße
Gerd

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