Mitchell nach Prineville
von Gerd_S
Montag
19. Juni 2023
Mitchell hat mich so verabschiedet wie es mich empfangen hat, nass und kalt. Die kurze Abfahrt bis in die Talsohle war schnell erledigt und es begann der erneute Anstieg zum Ochoco-Pass. Es wechselten Wolken, Regen und Phasen mit Sonne. Sogar die Sonne nervte heute, bei dem Anstieg mit voller Regenmontur wurde es schnell heiß unter der Pelle, aber alle paar Meter anhalten und die Kleidung wechseln ist auch keine Option. Die Strasse war in Ordnung, allerdings teilweise ohne Schulter und der Urlauberverkehr war stärker als gestern. Vor den Campern mit ihren Wohnmobilen hab ich am meisten Bammel, die holen 2mal im Jahr ihr Gefährt aus der Scheune und brettern zu einem RV-Park, die Teile haben teils mehr Quatratmeter als meine Wohnung. Dann lieber Trucks, das sind Profis. Wenn sie selbst Platz haben geben sie Dir auch ausreichend Platz, wenn es eng wird weil Gegenverkehr kommt wird es halt eng aber die wissen was sie tun. Bei den Campern hab ich oft den Eindruck die fahren nach dem "Augen zu und durch Prinzip", da kann man das "Oh, Oh, Oh" des Fahrers fast hören ;).
Kurz vor dem Gipfel begann es noch kurz zu schneien, das Wetter besorgt es mir wieder richtig. Auch hier oben war die Gipfelzigarette eher eine kalte Angelegenheit da ein schneidiger Wind von hinten wehte. Warum der am Grad aus der entgegengesetzten Richtung bläst ist mir ein Rätsel. In etwas Entfernung stand ein Schild "Rest Area, 1 Mile", also nix wie dahin. Dort angekommen kam der Wind auch wieder aus der "richtigen" Richtung und es tat sich wundersamer Weise ein Loch in der Wolkendecke auf und ich konnte in der Sonne etwas durchlüften, sehr angenehm. Für die Abfahrt hab ich das nasse Shirt gegen einen trockenen Pulli getauscht und erwartete eine lockere Abfahrt bis zu meinem Ziel. Bis zur Hälfte der Strecke klappte das auch wunderbar, dann kam wieder ein recht starker Gegenwind ins Spiel der meine Ankunft locker um eine Stunde verzögerte und mich laut Fluchen ließ. Ich hoffe niemand hat mich gehört...
Für morgen sieht das Wetter so aus wie heute aber der Wind ist in dem Korridor in dem ich mich bewegen werde minimal,... laut Vorhersage. Es könnte also ein lockerer Tag werden, keine große Kilometerleistung, keine nennenswerten Steigungen und kein Wind, schauen wir mal was es tatsächlich wird :).
Das Motel ist wieder von der besseren Sorte, wie sagte ein Buden-Nachbar in einem nicht ganz so guten Haus zu mir, "The worst Motel in Town, but you get what you pay for", stimmt manchmal.
Nach einem netten Plausch mit einem Amerikaner (mit deutscher Frau) und der äußerst kompetenten Hilfe des Personals bei einem Laundry Problem hab ich noch ne Ladung Wäsche gemacht, Essen besorgt und die nächsten Tage grob geplant. Seit Halfway habe ich das Gefühl es könnte tatsächlich bis San Francisco reichen, auch ohne Mietwagen oder Bahn. Aber da sind noch viele Unklarheiten und es kann viel passieren. Erstmal Küste und dann weitersehen, ich kann das Meer schon fast riechen :).
Bis dann,
Gerd
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