Dwight nach Henry

from Gerd_S

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Sunday
May 7, 2023


Trip odometer

 GPS data:  95,77 km

 Wheel comp.:  96,72 km


Was für ein Tag. Nachdem ich nicht richtig los wollte ist es dann 10:30 Uhr geworden. Meine App sagte mir, dass bis etwa 15:00 Uhr moderater Gegenwind herrschen wird, so war es dann auch. Für die ersten 2 Stunden netto hab ich tatsächlich nur 23 Km auf die Strasse gebracht. Ab 16:00 Uhr sollte der Wind drehen, also suchte ich nach einer Möglichkeit Zeit zu Verbringen ohne dabei in der Sonne und im Wind sitzen zu müssen. Im Örtchen mit dem schönen Namen "Ransom" bin ich dann fündig geworden. Bei uns würde man es Dorfgaststätte nennen. Und das ich auf dem Dorf bin war klar. Ein Herr der mit mir zusammen ankam und mir noch freundlich die Tür aufhiehlt setzte sich wortlos an den Tresen und bekam von der Kellnerin ein Bier hingestellt :) Hier verbrachte ich etwas über eine Stunde mit Schnitzelbrötchen, Kaffee und zwei Cola. Als ich so um 15:30 die Gaststätte verlies und wieder auf freiem Feld unterwegs war vielen mir die Windräder auf, die sich zwar teilweise drehten aber in völlig verschiedene Richtungen ausgerichtet waren. Manche drehten sich garnicht. Der Wind hatte tatsächlich spürbar nachgelassen und drückte sogar etwas von hinten. Bei Streator hatte ich mir einen Entscheidungspunkt gesetzt, weiterfahren bis Henry und nochmal 50 Km oder in Streator ein vorhandenes Motel anfahren. Da alle Umstände gut aussahen buchte ich das Hotel in Henry und machte mich auf die Socken. Leider kam ich nur einige Kilometer gut vorwärts, da der Wind wieder stärker wurde und leicht drehte und somit wieder etwas von vorn bremste. Etwa 20 Kilometer vorm Ziel war rechts von mir ein Gewitter im Gange, der Wind kam von Links also sah ich da noch kein Unheil auf mich zukommen. Es tröpfelte ganz leicht aber nachdem ich die Regenjacke schon zweimal an/ausgezogen hatte beschloss ich sie einfach anzubehalten. Etwa 10 Kilometer vom Ziel entfernt hatte der Wind unangenehm aufgefrischt und ich war auf einer Gravelroad unterwegs als ich im Augenwinkel rechts von mir eine Staubwolke auf mich zukommen sah. Mir wehte es Kappe und Brille vom Kopf und trotz gezogener Bremsen schob mich diese Bö in den Acker. Nachdem ich alles wieder eingesammlt hatte kamen noch zwei/drei dieser Windwalzen über mich hinweg und ich dachte nur noch "runter von der Strasse". Die ersten Blitze zuckten schon über den Himmel und glücklicherweise war ein Hof 100m weiter, wo ich vor der Scheune Schutz suchte. Während ich erstmal eine rauchte dachte ich bei mir, "Naja, wenn Du jetzt vom Baum erschlagen wirst dann stirbst Du wenigsten gemeinsam mit dieser Scheune" :)
Als es nach 10 Minuten merklich ruhiger wurde traute ich mich wieder auf die Strasse und fuhr etwa einen halben Kilometer mit schönem Rückenwind als das Spiel wieder began. Extreme Windböen und ein zweites mal im Feld, diesmal kam noch Regen dazu und kein Unterschlupf weit und breit. Hinter einem Maschendrahtzaun, vor dem sich schon der ganze Plunder aus dem angrenzenden Feld aufgetürmt hatte fand ich etwas Deckung und wartete hier abermals 10-15 Minuten ab, immer damit beschäftigt mich und das Fahrrad gegen den Wind zu stemmen. Als auch diese Windeskalation etwas nachließ ging es schiebend weiter vorwärts, an fahren war nicht zu denken. In etwa einem Kilometer war der nächste Hof, wo ich nochmal Schutz suchen wollte. Mittlerweile war es dunkel und es regnete heftig aber auf dem Weg zu besagtem Hof lies der Wind soweit nach, dass ich wieder in den Sattel konnte. Blitze zuckten nun überall um mich herum und ich hatte wohl noch nie solche Angst vom Blitz getroffen zu werden. Langsam tastete ich mich vorwärts und die Strasse war nun auch wieder asphaltiert. Der Wind lies merklich nach und ich erreichte die State-Route die die einzige Möglichkeit darstellt nach Henry zu kommen. Glücklicherweise war kein Verkehr auf der Strasse, das einzige Auto das mir zu Beginn entgegen kam hielt an und fragte ob ich ok sei. Die State-Route verlief nun im Wald, es war stockfinster aber fast windstill und ich musste dem Geäst das auf der Strasse lag ausweichen. Eine Frau auf der Gegenfahrbahn rief mir irgendetwas zu, was ich aber nicht verstand. 200 Meter weiter war klar was sie wohl sagen wollte, ein Baum lag auf meiner Seite der Fahrbahn, die Gegenspur war glücklicherweise noch passierbar. So ging es 7 km bis kurz vor Henry, Feuerwehr und sonstige Einsatzfahrzeuge kamen mir mit Blaulicht entgegen, alle Autos fuhren mit Warnblinker und die Brücke über den Illinois-River war der Endgegner. Zwei Fahrspuren, kein Seitenstreifen und ein Geländer das gerade bis zum Knie reicht wenn man daneben steht. Da über dem Fluss der Wind keine Hindernisse hatte konnte er hier wieder richtig wüten. Im Gedanken nicht so weit gekommen zu sein um dann im Illinois-River zu ertrinken hab ich die Fahrbahnmitte genommen, wo auch alle anderen Verkehrsteilnehmer Verständnis zeigten, kein Gehupe, kein Überholen, obwohl die Brücke lang und steil ist und ich somit nicht in zwei Minuten drüber war. Was für ein Ritt.
Das Hotel liegt direkt an besagter Brücke am Fluss und macht einen sehr guten ersten Eindruck, WiFi super, LTE tuts auch, Gäste-Laundry, wohl alles was ich brauche.
Wie würde es Phil Conners in "Und täglich grüßt das Murmeltier" ausdrücken; Die Abreisewahrscheinlichkeit für morgen liegt bei 5% :)
Und noch ein Nachtrag von gestern: "ByeBye Indiana, hello Illinois".
Gute Nacht.

1  Kommentare

  • Profilbild   Peggy Baier ~ May 21, 2023 at 2:40 AM
    Oh mein Gott. Ich wäre schon vor Angst wegen des Gewitters gestorben. Meinen allergrößten Respekt vor deiner Reise. 💪 ich hab erst vor vier Tagen angefangen zu lesen. Wie ein Buch 📖 herrlich 👍 Liebe Grüße Peggy

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