New Salem nach Dickinson
von Gerd_S
Sonntag
28. Mai 2023
Der Morgen begann mit einem selbstgebrühten Kaffee, das auf priceline "incl. Frühstück" war schon gestern abgesagt worden, mit dem Hinweis, dass die Tanke gegenüber sowas hat :) Der Gedanke der den Morgen immer present war: "Nix wie weg hier".
An besagter Tanke wurde nur etwas Marschverpflegung und Aspirin besorgt, die ewige Seitenwindfahrerei hat mich komplett verspannt und ich fühlte mich auch etwas kränklich. Auf der Packung stand "prevent Cold and Flu", also immer rein damit. :)
Es war recht kühl und ohne langes Shirt ging es nicht. Die Strecke führte mich heute auch auf eine Interstate, bis vor ein paar Tagen dachte ich, dies sei absolut verboten. Das Gesetz sagt wohl, es ist grundsätzlich verboten, es sein denn es besteht keine andere Alternative. Ein Cravel-Road ist wohl keine solche Alternative, es scheint mir etwas Auslegungssache zu sein. Ich überlegte kurz ob ich schon hier auf die I-94 auffahre (die Auffahrt ist 150m entfernt) oder doch so lange die 139 nehme bis der Asphalt endet. Ich entschied mich für Letzteres und war damit auch happy. Erstens war die 139 fast komplett für mich und zweitens war ich mir nun auch sicher, dass das weiter Stück bis Glen Ullin noch immer eine Gravel-Road ist. Ich war schon etwas nervös auf die Interstate aufzufahren aber der Standstreifen war super zu fahren und Anfangs war auch wenig Verkehr. Interstate ist ein wenig wie Rail-Trail, sanfte Anstiege und Abfahrten, nur bei den Ein/Ausfahrten muss man sich etwas vorsehen. Ein Stück weiter gab es eine Raststätte die ich natürlich ansteuerte, wann hat man schonmal Gelegenheit mit einem Fahrrad auf einen Interstate Rastplatz zu fahren. Die Raststätten hier sind anders (die zwei die ich kenne) als bei uns. Nix mit Mäces oder Fernfahrerfrühstück. Hier gibt es sauber Klos, eine gepflegte Parkanlage, Getränkeautomaten und jede Menge Infos zu den Highways und der Gegend als Kartenmaterial zum mitnehmen. Ich belegte einen Picknicktisch und machte mir Haferflocken mit Erdbeermilch, lecker!! Mir viel ein älterer Herr auf der in die Mülltonnen schaute, bei uns wäre das ein Pfandsammler, hier macht es wenig Sinn. Es sei denn man ist vom DOT (Department of Transportation) beauftragt sich um den Platz zu kümmern. Es dauerte auch nicht lange bis er bei einer Tonne einen Treffer landete und die Tüte wechselte. Bei der Tonne an meinem Platz kamen wir kurz ins Gespräch und auf seiner Mütze prangte tatsächlich dick DOT, er war hier also der Kümmerer vom Dienst. Ich erzählte ihm noch, dass es für mich seltsam ist auf der Interstate mit dem Rad zu fahren, was er aber nicht weiter kommentierte, wer weiß was er hier schon alles gesehen hat ;) Er fragte die üblichen Sachen und ich erzählte meine übliche Geschichte. Die Abfahrt die ich nach meiner Karte hätte nehmen sollen hab ich leider verpasst, ich war zu schnell und die Abfahrten hier sind auch extrem kurz, nur 500m oder so. Die Abfahrt die ich dann genommen habe hat mir etwa 5 Meilen erspart, nach meiner Auslegung ist ein Umweg von 5 Meilen keine Alternative :)) Eigentlich wollte ich noch eine Abfahrt weiter aber eine Baustelle, wo alles einspurig wurde und der Gegenverkehr auf unsere ehemalige linke Spur geführt wurde, war mir dann doch zu Komplex und ich bin abgefahren, das wären nochmal 1-2 Meilen gewesen. Hier konnte ich aber erkennen, dass die Strasse die ich benutzen sollte gesperrt war, also tatsächlich keine Alternative und ich bin den Mief des potenziellen Gesetzesbrechers los :). In Hebron buchte ich in Dickinson ein Motel, bekannte Kette und nicht zu billig, diesmal kein Risiko eingehen. Aus Hebron herraus gab es dann leichten Gegenwind der mich ziemlich ausbremste und ich mir dachte, dass dies wohl lange 65 Km werden. 30 Minuten später fing es auch noch zu regnen an. In Richardton viel mir ein Gebäude auf vor dem zwei Wagen parkten und das irgendwie nach Imbiss aussah, im Vorbeifahren sah ich dann auch ein kleines Schild "open", also Wenden und mal schauen ob es da nen Kaffee gibt. Es handelte sich um eine Bar, Kaffe gabs zwar nicht aber zwei Mountain-Dew und ne Kleinigkeit zu essen war drinn. An der Theke saß ein äteres Ehepaar und zwei junge Kerle. Als ich durchnäßt reinkam wurde erstmal über das Wetter geschimpft und ich erwähnte, ja besonders auf dem Fahrrad...
Es etwickelte sich das übliche Gespräch und als ich gefragt wurde woher ich sei und "Germany" antwortete wurde mir versichert, dass hier in der Gegend nur ehemalige Deutsche wohnen. Der Herr heißt mit Nachnamen Schulz, deutscher geht ja kaum :) Auf meine Frage (in deutsch) "Können sie denn auch deutsch sprechen?", kam sofort von beiden die Antwort (auf englisch) "No, no, some in the Town, but we dont": Naja mit dem Verstehen klappt ja schonmal :)) Als die beiden gegangen waren unterhielt ich mich noch eine Weile mit der sehr netten Bedienung und ließ Ihr auch eine Karte da. (As you can see, I arrived safely in Dickinson). In der Bar checkte ich noch meine Wetterapp die mir sagte "in 1 Minute hört es auf zu regnen". Ob es tatsächlich eine Minute war ist unklar aber als ich wieder losfuhr war es tatsächlich trocken und absolut windstill, herrlich. die letzten 40 Kilometer bis zum Ziel flogen nur so dahin. Google bot mir noch den günstigsten Weg an, der aber laut Satelittenbild aus einer Cravel-Road bestand, ansonsten eine Abkürzung. An der Kreutzung angekommen war ich entzückt, eine niegelnagelneue Asphaltstrasse, ... hervorragend!
Um 19:40 war ich am Motel und da mir unterwegs wieder eine Stunde geschenkt wurde war es 18:40 :) Ich bin jetzt in der "Mountain Time" unterwegs (UTC -7).
Nach den üblichen Verpflichtungen und ner Ladung Wäsche ist es jetzt trotzdem schon wieder halb zwölf. Es könnte sein, dass morgen ein Ruhetag drinn ist, das hängt hauptsächlich vom Wind ab. Auch wenn ich über den strammen Südwind schimpfe, bin ich doch im Grunde happy damit. Wenn der übliche Nord-West Wind in der Stärke einsetzt bin ich geliefert. Also lieber jeden Tag mit einer erträglichen Windrichtung nutzen. Noch etwas für morgen planen und ab ins Bett.
CU
Gerd
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